Elterninitiative, 26. März 2007

Presseerklärung vom 26.03.2007

Die Elterninitiative wurde Seitens der Klinikleitung des Annastifts am 21. März 2007 zu einem gemeinsamen Gespräch um 13:00 Uhr in das St. Annastifts Krankenhaus gebeten. Frau Ina Wegner, Herr Martin Wegner, Frau Christina Wegener, Herr Michael Eichin und Herr Prof. Dr. Dallmann haben an diesem Gespräch als Vertreter der Elterninitiative teilgenommen. Von Seiten der Geschäftsführung waren Herr Trescher und Herr Wiechmann anwesend. Das Ministerium wurde von Herr Dr. Gass und Herrn Schuhmann vertreten. Zudem waren Herr Dr. Merz und Frau Gorisch vom St. Annastiftskrankenhaus anwesend.

Nach cirka dreistündigen Verhandlungen hat die Geschäftsführung des Krankenhauses das schriftliche Angebot der Elterninitiative zu einer „gemeinsamen Erklärung“ größtenteils angenommen. Dissens besteht in der Frage des Fortbestands der Kinderkrebsstation über den 31.12.2007 hinaus. Es ist bedauerlich, dass die Geschäftsführung des St. Annastiftskrankenhauses sich der grundsätzlichen Forderung des Fortbestands der Elterninitiative nicht angeschlossen hat und sich einzig und sich ( resignierend ) allein auf betriebswirtschaftliche und falsch eingewertete rechtliche Rahmenbedingungen bezogen hat. Es ist vom Grundsatz her nicht nachvollziehbar, weshalb ein christlich orientiertes Krankenhaus nicht den Wunsch hat, eine überregional anerkannte Kinderkrebsstation weiterhin aufrecht zu erhalten. Die Elterninitiative hat der Geschäftsführung des Annastiftskrankenhauses jede Unterstützung angeboten.

Grundproblem der Auseinandersetzung ist die politisch gewollte Zentralisierung von medizinischen Dienstleistungen. Angeblich soll zur Qualitätssicherung die klinische Dienstleistung möglichst von zentralen Einrichtungen erfolgen. Dies ist - zumindest für das St. Annastiftskrankenhaus in Ludwigshafen - definitiv falsch! Mit dem Primat der Zentralisierung insbesondere in der Kinderonkologie, in der eine Behandlung nicht nur Wochen, sondern häufig über mehrere Jahre geht, vernachlässigen die politischen Funktionsträger wichtige Faktoren für das Wohlbefinden und damit auch für die Genesung der Patienten. Diese Faktoren beziehen sich nicht nur auf die Zeit der Intensivtherapie im Krankenhaus, sondern auch auf eine ambulante Phase bzw. immer wieder kehrende notwendige Kontrolluntersuchungen. Der gewohnten Umgebung nah zu sein, damit der Kontakt zu Familie und Freunden nicht zu stark unterbrochen wird, ist elementar wichtig. Den Kontakt und die schnellstmögliche Wiederkehr in das gewohnte soziale System bedeutet für die an Krebs erkrankten Kinder eine geringere Gefahr der Ausgrenzung, der sie auf Grund ihrer Erkrankung bereits grundsätzlich ausgeliefert sind. Wesentlicher Nachteil der zentralen Versorgung ist eben die Tatsache, dass bereits auf Grund der Entfernung die psychosoziale Unterstützung des Gesundungsprozesses durch die Familienangehörigen gerade bei länger andauernden Krankheiten nicht gewährleistet ist. Die Elterninitiative erlebt gerade auf der Kinderkrebsstation, wie wichtig die dringend notwendige tägliche mitunter lebhafte Präsenz der Eltern, Angehörige oder Freunde ist. Dies kann bereits aus tatsächlichen Gründen bei einer zentralen Versorgung der Bevölkerung nicht gewährleistet werden.

Das St. Annastiftskrankenhaus behandelt seit 1960 (erstmals durch Professor Dr. Karte) – also seit 47 Jahren - an Krebs erkrankte Kinder. Seit 47 Jahren gibt es im St. Annastiftskrankenhaus eine hervorragende Betreuung der Kinder. Es ist überhaupt nicht zu verstehen, weshalb der Gemeinsame Bundesausschuss Qualitätsanforderungen definiert, die das St. Annastiftskrankenhaus nur beschränkt einhalten kann. Der Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses vom 16.05.2006, der dem Prinzip der politischen Zentralisierung folgt, bedarf dringend der Überarbeitung. Dies haben sich die Mitglieder des Gemeinsamen Bundesausschusses auch ausdrücklich vorbehalten. Als Protokollnotiz (Seite 7 des Beschlusses) heißt es hierzu:

„Die Partner dieser Vereinbarung haben beschlossen, die pädiatrisch-hämato-onkologische Versorgungsqualität in Deutschland untersuchen zu lassen. Nach Vorliegen der Untersuchungsergebnisse, spätestens zwei Jahre nach Inkrafttreten dieser Vereinbarung, ist gemeinsam über Änderungsbedarf der Vereinbarung zu vereinbaren.“

Die Mitglieder des Gemeinsamen Bundesausschusses behalten sich eine Evaluationsphase vor. Es ist unverständlich, weshalb bereits während dieser Evaluationsphase in kleineren Kliniken vollendete Tatsachen geschaffen werden sollen. Die Mitglieder des Gemeinsamen Bundesausschusses sind aufgefordert, ihre Beschlüsse laufend zu kontrollieren und der Realität im Gesundheitswesen anzupassen. Im vorliegenden Fall ist zum Beispiel § 5 Abs. 3 zu ändern, der vorsieht, dass dem technischen Fortschritt entsprechend der bildgebenden Diagnostik (CT oder MRT) ohne Patiententransport außerhalb des klinikeigenen Geländes vorzuhalten ist. Allein die Tatsache, dass der seitens des Trägers vorhandene CT sich im Marienkrankenhaus (2,5 km Entfernung) befindet, müsste nach Auffassung der Mitglieder des Gemeinsamen Bundesausschusses eine Ausgabe in Höhe von 800.000,00 € für das St. Annastiftskrankenhaus oder die Schließung der Kinderkrebsstation bedeuten. Auf Grund der hervorragenden Organisationsstrukturen innerhalb des St. Annastiftskrankenhauses und des Marienkrankenhauses ist es in der Praxis gewährleistet, dass die Patienten innerhalb kürzester Zeit (in der Regel innerhalb von 5 Minuten Fahrzeit) dem Diagnosegerät zugeführt werden können. In großflächig angelegten Kliniken (Uni Kliniken in Dresden, Köln, Hannover etc.) dauert der Transport von Patienten von der Station zum MRT/CT oftmals viel länger (bis zu 10 Minuten Fahrzeit). Für eine ordnungsgemäße Vorhaltung eines MRT/CT kann nicht maßgeblich sein, dass sich das MRT/CT innerhalb des Klinikgeländes befindet.

Bei den Beschlüssen des Gemeinsamen Bundesausschusses sollte darum gehen, dass unter Berücksichtigung von Struktur-, Prozess- und Ergebniskriterien eine optimale Qualität definiert wird. Dies ist im vorliegenden Fall nicht geschehen.

Die Elterninitiative fordert den Gemeinsamen Bundesausschuss vorerst auf, die Vereinbarung zur Sicherung der stationären Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit hämato-onkologischen Krankheiten vom 16. Mai 2006 dahingehend zu ändern, dass unter § 5 Abs. 3 eine Mindestzeit für das Erreichen des Diagnosegerätes festgelegt wird. Sollte der gemeinsame Bundesausschuss diesem berechtigten Änderungsbedarf Folge leisten, besteht ein wesentlicher Hinderungsgrund für den Fortbestand der Kinderkrebsstation im St. Annastiftskrankenhaus nicht mehr.

Wir fordern die Beteiligten auf, auch die weiteren Kriterien zu überdenken bzw. die weiteren Kriterien im St. Annastiftskrankenhaus umzusetzen. Dies ist möglich! Zu Gunsten einer maximalen medizinischen Versorgung im Land Rheinland Pfalz ist dies dringend erforderlich.

Die Elterninitiative wird in der kommenden Woche einen Verein gründen, der sich für eine differenzierte Zentralisierung und für eine schnellstmögliche Überarbeitung der Vereinbarungen des Gemeinsamen Bundesausschusses einsetzt. Das Spendenkonto bei der Sparkasse Vorderpfalz (BLZ 54550010) Kontonummer 191 100 874 bleibt erhalten.

Die Unterschriftenlisten bitte in den Briefkasten bei der Ortsvorsteherin Mundenheim, Mundenheimerstrasse 35, 67061 Ludwigshafen oder bei den Kontaktadressen Ina Wegner und Michael Eichin abgeben. Die Sache geht weiter!

Die Geschäftsleitung des St. Annastiftskrankenhauses wurde schriftlich dazu aufgefordert sich bis zum 04.04.2007 zu äußern, ob grundsätzlich Interesse besteht, die Kinderkrebsstation aufrecht zu erhalten. Die Elterninitiative erwartet von dem christlich geführten Krankenhaus eine eindeutige Aussage.

i. A. Ina Wegner
Elterninitiative zum Erhalt der Kinderkrebsstation
im St. Annastiftskrankenhaus in Ludwigshafen am Rhein