HNA, 23.03.2007
http://www.hna.de/kasselstart/00_20070323180041_Hoffnung_fuer_Kinderonkologie.html

Hoffnung für Kinderonkologie

Klinikum bemüht sich, Angebot zu erhalten - Entscheidung bis Ende des Jahres

Von Martina Heise-Thonicke

Kassel. "Wir wollen die Kinderonkologie gerne weiterführen und suchen nach Möglichkeiten dafür." Der Chef der Gesundheit Nordhessen Holding, Dr. Gerhard Sontheimer, macht mit dieser Äußerung sicher auch den Eltern krebskranker Kinder Mut, die um den Erhalt der Kinderkrebsstation am Klinikum Kassel bangen (wir berichteten). Sontheimer machte in einem Gespräch mit unserer Zeitung aber auch deutlich, dass es nicht leicht sein wird, die Zukunft der Kinderonkologie in Nordhessen zu sichern.

Hintergrund sind die neuen Anforderungen an Kinderkrebsstationen durch Vorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses. Diese sehen im Sinne einer Qualitätsverbesserung unter anderem vor, dass ab nächstem Jahr zunächst zwei, später sogar drei Fachärzte für Kinderonkologie und Hämatologie vorhanden sein müssen. Bislang werden krebskranke Kinder am Klinikum von der Kinderhämatologin und -onkologin Dr. Martina Rodehüser behandelt, und man hielt eine Zwölf-Betten-Station für diese Patienten vor.

Als Krebskompetenz-Zentrum traue sich das Klinikum durchaus zu, den Bereich der Kinderonkologie weiter auszubauen, betont Sontheimer. Dazu aber müsse man Kinderärzte mit der nötigen, aber eher seltenen Zusatzqualifikation finden und die Zahl der Patienten deutlich erhöhen, damit sich die zusätzlichen personellen Kosten rechnen. Bisher, so der Holding-Chef, würden am Klinikum im Jahr etwa 40 krebskranke Kinder behandelt, im Schnitt seien etwa zwei Betten der Kinderkrebsstation belegt.

Dr. Sontheimer geht davon aus, dass wegen der neuen Anforderungen in absehbarer Zeit nur noch etwa 40 Kinderkrebsstationen erhalten bleiben, zurzeit sind es etwa 120. Deshalb bangen die betroffenen Eltern an vielen Orten, so auch in Nordhessen, um eine wohnortnahe Versorgung ihrer Kinder. Sollte es künftig vielleicht in Kassel keine stationäre Kinderonkologie mehr geben, so mahnte bereits der Vorsitzende des Vereins für krebskranke Kinder, Peter Kodlin, müssten die Familien nach Göttingen, Marburg oder Gießen ausweichen - vorausgesetzt, dort bleiben die Kinderkrebsstationen erhalten.

Für Schlagzeilen sorgt bereits der Fall des St.-Anna-Stift-Krankenhauses in Ludwigshafen am Rhein, das sich entschlossen hatte, die Kinderkrebsstation bereits Ende März zu schließen und nur noch eine kinderonkologische Ambulanz zu erhalten. Dies war auf massive Proteste einer Initiative der betroffenen Eltern gestoßen.

In Kassel jedoch will man nichts überstürzen und nach gründlichen Überlegungen und Bemühungen erst im Laufe des Jahres eine Entscheidung treffen, ob die Kinderonkologie entsprechend der Vorgaben ausgebaut wird oder man letztlich doch die stationäre Behandlung krebskranker Kinder einstellt.