Wormser Zeitung, 22.03.2007, Isabell Steinbach

Proteste gegen Schließung

LUDWIGSHAFEN Die Kinderkrebsstation im St. Annastift soll zum 1. April geschlossen werden. Nur die ambulante Versorgung bleibt erhalten. Die Eltern der betroffenen Kinder wehren sich vehement gegen die Schließung - und haben eine Elterninitiative gegründet.

Für kommenden Freitag, 23. März, hat die Elterninitiative eine Demonstration gegen die Schließung der Kinderkrebsstation geplant. "Um 14 Uhr treffen wir uns am Annastift und laufen dann zum Verwaltungsgebäude beim Marienkrankenhaus. Dort findet eine Kundgebung statt", kündigt Ina Wegner an. Seit Dienstag halten die Eltern rund um die Uhr eine Mahnwache vor dem Krankenhaus. In einem Pavillon klären sie dabei über die Hintergründe der geplanten Schließung auf, sammeln Unterschriften und stellen Plakate aus, auf denen die krebskranken Kinder von sich selbst erzählen und berichten, welche Folgen sie persönlich durch die Schließung der Station befürchten.

Rund 120 krebskranke Kinder werden bisher dort sowohl ambulant als auch stationär behandelt. Die hohen Qualitätsstandards des "Gemeinsamen Bundesausschusses" (GBA), der für alle Krankenhäuser Maßnahmen zur Qualitätssicherung für die stationäre Versorgung festlegt, machten jedoch einen Weiterbetrieb der stationären Behandlung künftig unmöglich, begründete Krankenhaus-Geschäftsführer Marcus Wiechmann auf Anfrage der WZ. Da das Krankenhaus zwei Betriebsstätten habe, die rund 1,5 Kilometer voneinander entfernt seien, müsste das St. Annastift nach dem GBA-Beschluss zusätzliche Geräte wie zum Beispiel einen Kernspintomographen für die Station neu anschaffen und auch die Betriebskosten würden enorm steigen, erläuterte Wiechmann. "Die Investitionen für die Technik betragen rund 800 000 Euro und die Betriebskosten müssten wir dann mit rund 500 000 Euro im Jahr ansetzen - das können wir einfach nicht finanzieren", rechtfertigt Wiechmann die Entscheidung des Klinikums.

Trotzdem sollen die krebskranken Kinder in Ludwigshafen weiter ambulant behandelt werden, bekräftigt der Krankenhaus-Chef. Durch die Fortschritte der vergangenen Jahre könnten viele Therapien und Eingriffe, die bisher stationär behandelt werden mussten, nun ambulant erfolgen, was schließlich auch für die Patienten eine große Erleichterung bringe. Für besonders schwere Behandlungen, die auch weiterhin eine stationäre Aufnahme des Patienten erfordern, verweist Wiechmann auf die entsprechenden Fachabteilungen in Mannheim und Heidelberg. Die zurzeit im St. Annastiftkrankenhaus stationär behandelten Kinder könnten jedoch bis zum Ende ihres stationären Behandlungszyklus in der Ludwigshafener Klinik bleiben, versicherte Wiechmann. "Die Kinder müssen die Station nicht überstürzt verlassen", versucht der Krankenhaus-Leiter die aufgebrachten Eltern zu beruhigen. Das St. Annastift wolle zudem gemeinsam mit den Eltern nach den besten Lösungen für die betroffenen Kinder suchen.

Die Elterninitiative ist im Internet unter http://www.recht-der-pflege.de erreichbar.

Die Stadtsparkasse Ludwigshafen hat für die Elterninitiative ein Spendenkonto eingerichtet: Konto 191 100 874, BLZ 545 500 10, Stichwort: Eltern für Kinderkrebsstation.